Maratona dles Dolomites am 03.Juli 2005

Historie
Es war Stefan’s Idee letzten Winter während des Figura Trainings: Der Dolomiti mit 147km und 4350 Höhenmetern wäre doch die richtige Herausforderung für uns! Es brauchte gar nicht soviel Überzeugungsarbeit, um uns für die Anmeldung zu motivieren. Am Stichtag saßen wir alle vorm Computer und versuchten unsere Glück. Außer Stefan leider alle erfolglos. Er kam irgendwann zwischen 2h und 3h morgens auf die begehrte Internetseite und hatte die Anmeldung in der Tasche.
Der Rest der Weizentempler schaffte es dann irgendwann in den nächsten Tagen sich für die Verlosung registrieren zu lassen und im November erhielten dann Axel, Jörg und Ferdl die Mitteilung, dass auch sie glückliche Teilnehmer des Dolomiti sein werden.
Vorbereitung
Angesichts der bevorstehenden 4350 Höhenmeter legten wir einen Schwerpunkt auf das Bergfahren (was sonst). Bei unseren Touren mieden wir Flachstücke und zweigten zu nahezu jedem verfügbaren Berg (oder Hügel) ab. Wir sollten es brauchen......
In der Woche vor der Tour begann dann das große Fressen; man braucht ja Kraft! Endlich mal so viel essen wie man will (und mehr) – ohne schlechtes Gewissen.
Anreise
Am Freitag den 01.07.05 ging’s los. Jörgs neuer LT Camping Bus war Transportmittel und Bleibe für die nächsten 3 Tage. Optimal!
Nach einem kurzen Stopp in Hall i.T. zwecks weiterer Dehnung des Magens erreichten wir schließlich um 1h Früh Corvara. Bereits die Zufahrt zum Campingplatz war mit Autos und Wohnmobilen zugeparkt ebenso wie der Parkplatz davor. Dies sollte sich als Vorteil herausstellen, da die weitere Suche uns auf einen großen Ski-Parkplatz brachte, der fast allen Komfort bot.
Samstag
Ein strahlender Morgen - postkartenmäßig lacht die von der Sonne angestrahlte Sella Gruppe uns entgegen. Wir hatten einen perfekten Camping Stellplatz gefunden! Ziemlich eben, viel Platz , ein Bach in der Nähe, die Ortschaft Colfosco 5 Gehminuten entfernt und zudem noch direkt an der Strecke gelegen.
Nach einem ausgiebigen Frühstück ging´ s dann, natürlich mit dem Fahrrad, zum Startnummern abholen. Es war ein riesen Spektakel am Anmeldegelände: Alles vom und um den Radsport gab’s zu sehen und zu kaufen (schöne Räder!).
Der Startnummernsack, den wir bekamen war ein bischen wie Weihnachten: Massageöl, Gesäßcreme für die Radlerhose, Energy Pulver usw. und dazu ein Dolomiti-Rad-Trikot vom allerfeinsten.
Der Vorschlag, noch eine Ausflug auf das Grödener Joch zu unternehmen, fand keine Mehrheit und so verbrachten wir den Nachmittag mit Entspannen (Mittagsschlaf) und div. Fahrrad fine-tuning.
Zum Abendessen gönnten wir uns nochmal eine kleine Portion Nudeln (1 kg) und so gegen 10h machten wir uns bettfertig. Sorgen bereitete uns Stefan, da er plötzlich Schüttelfrost bekam und erst im Schlafsack das Zähneklappern wieder aufhörte. Das sah nicht wirklich gut aus.
Sonntag - Der Dolomiti
Punkt 5h morgens – kurz vor Sonnenaufgang riss uns der Wecker aus den Federn; Gott sei dank war auch Stefan wieder fit.
Außen war es kalt! Sehr kalt- Das Thermometer zeigte gerade mal 3°C. Stefan fragte: “Würde irgendjemand bei 3°C im Winter freiwillig mit kurzen Hosen und fingerlosen Handschuhen zum Schifahren gehen??“

Auf der Straße vom Grödener Joch sah man bereits jetzt Massen von Radfahrern bergab in Richtung La Villa fahren. Wir nahmen noch relativ gemütlich unser Frühstück ein und machten uns um etwa 5h40 Richtung Startgebiet auf. Schlotternd und mit steifen Fingern erreichten wir La Villa, wo wir uns in einen riesigen Radfahrerstau einreihten. Ganz langsam ging´ s Richtung Start und vom offiziellen Rennbeginn um 6h 15 bekamen wir nichts mit.
Endlich um 6h 50 passierten wir gemeinsam die Startlinie. Stefan trennte sich gleich elegant von seinem Tacho und startete deshalb mit leichter Verspätung. Axel, Jörg und ich fuhren gemeinsam der Sonne entgegen, die uns am Campolongo erwartete. Zum Glück ging´ s bald bergauf und wenig später wärmte die herrliche Morgensonne unsere steifen Glieder.
Das Tempo am Berg war sehr unterschiedlich und so verloren wir uns nach ein paar gemeinsam gefahrenen Kehren schnell aus den Augen. Der Campolongo war schnell genommen und weiter ging´ s zum Pordoi- Joch, der zog sich schon etwas länger, aber die Abfahrt war umso schöner, wenn auch wieder bitterkalt.

Am Anstieg zum Sella plötzlich eine Stimme von hinten „ Hallo Ferdl“. Es war Axel, der wieder aufgeschlossen hatte. Wir konnten im weiteren Verlauf unser Tempo recht gut abstimmen und so fuhren wir schließlich den gesamten Rest der Tour gemeinsam.
Auf der Abfahrt vom Sella Pass plötzlich gelbe Fahnen von den Streckenposten- ja sind wir denn hier in der Formel 1?-dachte ich noch. Nach der nächsten Kurve die Auflösung: da hatte es einen bei der Abfahrt so zerlegt, dass er mit dem Helikopter abgeholt werden musste. Ein kurzer Blick auf die Trage neben dem Helikopter versprach nichts gutes - besser wegschauen und weiterfahren.

Die Sella Runde hatten wir schnell genommen und nach dem 2. Mal Campolongo begann das reine Vergnügen. Eine traumhafte Landschaft, leicht abfallendes Gelände, warme Temperaturen, malerische Ortschaften - einfach zum Genießen.Aber da war doch noch was .... ja richtig, der Passo di Giau, aber davon später.
Erst mal ging´ s mit 35 - 40km/h auf dem Tacho Richtung Cernadoi ohne große Anstrengung. 2 Italiener überholten uns mit ca. 45 km/h und sofort hängen wir uns dran; da kommt Freude auf. Leider hatten die beiden Italiener nach kurzer Fahrzeit etwas zu besprechen und vergaßen dabei auf das Radfahren, als das Tempo unter 35 km/h fiel machten wir wieder unser eigenes Tempo.

Und dann kam er - der Passo Giau
Viel hatten wir über ihn gesprochen in der Vorbereitung, jetzt war er da- und wie ! Es ging gleich mit 13 - 14% los; ohne Kehren zum Ausruhen - immer gerade. Nach einem langen steilen Anstieg schließlich die erste Tornante; hoffentlich sind es nicht mehr all zu viele dachte ich noch, nicht ahnend, dass es insgesamt 30 Stück(!) werden sollten.
Es war schon hart – aber wenn es mal wieder ganz hart, war schaute ich in die Gesichter von anderen Radfahrern und stellte meist fest: “ Der sieht ja noch kaputter aus als ich mich fühle, also geht’s schon noch.“

Zur Erheiterung dann ein italienisches (Ehe) Paar, das sich gemeinsam den Passo Giau hinaufquälte.
Er: „Ist alles ok bei dir?“
Sie: “Si, Si tutto bene!”
Er:“ Bist du sicher, dass du nicht eine Pause machen willst“(oder so ähnlich)
Sie: „Ich habe dir doch gesagt: TUTTO BENE“
Er: „Ja ich meinte nur, vielleicht wäre es besser, wir machen bald eine Pause“
Sie(ärgerlich):“ Wenn ich sage TUTTO BENE, dann meine ich das auch und jetzt
hör auf zu fragen!!!“
(Text aus Gestik und wenigen Worten die ich verstand frei übersetzt)
Die Abfahrt vom Giao war lang und sportlich , der Straßenbelag leider teilweise reparaturbedürftig. Nach wenigen Kilometern überholte mich doch glatt so ein dicker, daraufhin sofort Einnahme der aerodynamischen Abfahrtshaltung (=Kopf nach unten und eine Hand nach hinten dicht an Körper angelegt). So wurde der Abstand zumindest nicht größer, ein Überholen war aber unmöglich , da er, ob seines Gewichts schneller rollte und genauso spät bremste.
Erst bei einer der letzten Kehren hatte ich ihn wieder eingefangen.

Auf dem Flachstück zum Falzarego dann plötzlich ohne Vorwarnung ein schmerzhafter Krampf im linken Oberschenkel - durch einhändige Massage und Dehnen und Strecken konnte ich das während des Fahrens beheben. Die Auffahrt zum Falzarego und dann weiter zum Valparola war dann eigentlich nicht mehr dramatisch, das Ziel so dicht vor Augen.
Auf den letzten Kilometern hatte dann Axel auch noch einen Beinkrampf, so dass wir kurz vor dem Ziel eine kleine Pause einlegen mussten .
Gemütlich ging´ s dann die letzten km bis zur Ziellinie.

Auf der Zielgeraden dann ein Sprinter, der offensichtlich auf den letzten Metern noch seine Zeit verbessern wollte. Dazu Axel: „ Jetzt brauchst nimma fahrn wie a Verrückter - dazu hast scho 7 Stunden Zeit ghabt - etz is es eh zu spät“

Glücklich und zufrieden überfuhren wir gemeinsam die Ziellinie. Kurz danach kam auch Jörg und dann Stefan.

Das anschließende Radleressen - alles Gutscheine von der Anmeldung- konnte sich sehen lassen. Bier, Nudeln, Kotelett oder Bratwurst und ein Apfelstrudel.

Zum Abendessen gönnten wir uns nach einer feisten Dusche im Bus eine große Pizza, auf die wir uns schon vor der Abfahrt in Nürnberg gefreut hatten - jetzt hatten wir sie uns verdient!!

Also dann wie der Grödener zu sagen pflegt: die Ve l paie y a s' udei
Schlußwort der Akteure:
Axel: Die Anstiege waren das Schönste!
Stefan: Super Wetter, viele Pässe - das sollte man so lange wie möglich ausnutzen! Oder auch: Warum mit der Menge rasen, wenn Du hinten die Pässe in Ruhe genießen kannst!
Jörg: 95 kg über 4300 Höhenmeter wuchten? Nichts ist unmöglich!!
Ferdl: Die Abfahrten waren am geilsten
Bericht: Ferdl
Bilder: Stefan / Axel