Weizentempler Gardasee Expedition 2007

Einen besonderen Saisonhöhepunkt gab es für die Weizentempler Didi, Jörg, Richard, Stefan, Andreas, Christian, Klaus, Axel, Bernhard, Roland und Ferdl am verlängerten Vatertagswochenende vom 16. bis 20. Mai. Männi, der das Ganze ins Leben gerufen und organisiert hatte, konnte leider aufgrund einer Lungenentzündung nicht mitfahren, was wir natürlich sehr bedauerten (und er sicher noch mehr).
Anfahrt nach Affi
Mit 2 Großraum Limousinen – Didi’s neuem VW Bus für 6 Mann und Jörg's Sharan für 2 Mann und 8 Räder - machten wir uns am Mittwoch Nachmittag auf den Weg nach Süden. Wie nicht anders zu erwarten, waren wir nicht die einzigen, die diese Idee hatten. Vor München gab es schon einen Riesen Stau, welchen wir durch sofortigen Wechsel auf die Stuttgarter Autobahn, dann Abfahrt Richtung Gauting usw. zu umfahren versuchten. Doch auch dieser Weg erwies sich nicht als besonders schnell, vor allem weil wir doch auch das eine oder andere mal in „Verfahring“ landeten. Sobald München hinter uns lag ging’s jedoch recht flott voran und gegen 10h kamen wir in unserem Quartier in Incafi an.
1.Tag Monte Baldo – Der Gardasee von seiner schönsten Seite
Es war noch etwas bedeckt in der Früh und die Berge in Wolken gehüllt. Trotzdem fuhren wir gut gelaunt und wohlgenährt in gemächlichem Tempo den Berg runter nach Affi um, so hofften wir, gleich die Höhen des Monte Baldo zu erklimmen. Doch bereits nach 2,9km ertönte ein lauter Schrei „STOP“ von Stefan, dessen Reifen das bekannte Zischen von sich gab. Ein toller Beginn dachten wir noch - es sollte Gottseidank der einzige Zwischenfall des Tages bleiben - diesen Tages wohlgemerkt.
Die Auffahrt zum Monte hat mäßige Steigung und ist angenehm zu fahren, sodaß wir alle ziemlich gemeinsam (so ungefähr halt) am höchsten Punkt auf 1620m im Refugio Graziani ankamen. Das Refugio erschien uns jedoch ob Wolken und Wind nicht geeignet zum Mittag machen. Auch über den Zeitpunkt herrschte eine gewisse Uneinigkeit. So trennten wir uns kurzzeitig. Während eine Gruppe zurück zum Aussichts Ristorante mit grandiosem Seeblick rollte nahm die andere Gruppe noch die Schleife runter zum Stausee und anschließendem wirklich sehr anspruchsvollem Wiederanstieg. Kommentar Didi "Ob das wirklich so eine gute Idee war hier runter zu fahren?" Nach etwa 1 Stunde fanden wir uns auch im Ristorante ein, wo gerade eine Gruppe Motorradfahrer den Rest der Sitzplätze auf der Terasse belagerte. Die Sprache erschien uns sehr bekannt kamen sie doch aus Fürth und Umgebung.
Bei der Abfahrt trafen wir dann Christian und Andreas die in einer Bar bei Kaffee und Apfelstrudel auf uns gewartet hatten. Sie waren erst am Morgen angereist und unternahmen deshalb an diesem Tag nur eine kurze Tour.
Beim Schluss Anstieg nach Incaffi holte Stefan noch das letzte aus sich raus und überholte mich völlig überraschend auf den letzten 50m im steilsten Stück. Kurz überlegte ich noch gegenzuhalten aber meine müden Beine wollten nicht mehr so recht. Da macht man sich doch so seine Gedanken ob das angewandte Doping das richtige ist! Stefan bevorzugt ja bekanntermaßen Schweinebraten mit Klößen während auf meinem Speiseplan familienbedingt vorwiegend Reis steht. Es gibt doch zu denken, daß es im Spitzen Radsport recht wenige Chinesen gibt (eigentlich gar keine). Das war also das erste "Outing" zum Thema Doping bei den Weizentemplern! Ich gehe davon aus, daß andere bald folgen.
2. Tag – idyllische Täler und Fortuna war bei uns
Wir wollten auch das Westufer des Sees kennenlernen, deshalb setzten wir in der Früh erst mal mit dem Schiff auf das andere Ufer nach Toscolano über.
Nach einigem suchen erklärte uns eine wirklich sehr nett anzusehende Italienerin wie wir die Anfahrt nach Vobarno finden würden, dazu Christian "Habt Ihr sie eigentlich gefragt, was sie heute Abend macht?". Das hatte Roland doch tatsächlich vergessen, nachdem er sich alle Details des Weges genauestens erklären lies .
Die Auffahrt von Vobarno in die Berge war ein landschaftlicher Leckerbissen. Herrlich duftende Wiesen, idyllische Dörfer einfach ein Genuss für die Seele. OK,es ging auch 1000m bergauf und das gar nicht so flach aber angesichts dieser Landschaft vergaß man das (fast). Bei der Abfahrt dachten wir schon die Straße endet jetzt, da plötzlich eine Art Kloster mitten im Weg stand, links davon ein Abgrund und rechts eine fast senkrechte Felswand. Doch das Kloster hatte einen Torbogen und dieser markierte die Duchfahrt nach unten. Noch bevor wir einfuhren bremste Jörg scharf ab und wieder hatten wir eine Reifenpanne zu verzeichnen. Nach einigem hin und her fanden wir schließlich einen Schlauch mit der passenden Ventillänge und weiter ging’s bergab Richtung Lago di Idro. Nach dem Lago wurde die Straße wieder richtig breit und so ging’s in flottem Tempo die Serpentinen und Kurven runter. In einer Rechtskurve kam Christian etwas zu weit auf die linke Straßenseite, während der entgegenkommende Motorradfahrer etwa in Straßenmitte daherkam. Kurz blickten die beiden sich wohl tief in die Augen – während Christian noch überlegte ob er vielleicht gleich links am Motorrad vorbeifahren sollte, befahl ihm sein Reflex doch nach rechts auszuweichen, das aber mit solcher Intensität, daß es Ihm die Schuhe aus den Pedalen riß und er vor Schreck dann gleich die rechten Leitplanken ansteuerte und kurz davor zum stehen kam. Das ganze ca 7-8m vor meinen Augen!
Das anschließende Mittagessen  schmeckte herrlich, jeder verdrückte eine ordentliche Portion Nudeln und die Welt war wieder in Ordnung. Zum "ausklingen" beschlossen wir noch einen Abstecher nach Tignale zu unternahmen, ca 500 Höhenmeter mit schöner Aussicht auf die Ostseite des Sees. Auf dem Weg zurück zur Fähre fuhren wir dem See entlang in gewohnter Team Manier. Jörg fuhr vorne dann Andreas. Plötzlich ein Schrei von Jörg "ACHTUNG" und dann ging’s sehr schnell. Eine alte Frau wollte ohne zu schauen, nur nach Gehör, die Straße überqueren und drehte sich nach Jörg’s Schrei zur Seite, dabei erwischte sie Andreas voll, er konnte nicht mehr ausweichen und fiel zusammen mit Frau und Fahrrad in die direkt angrenzende Mauer. Da er mit Kopf und Schulter voran an der Mauer lag und sich nicht gleich bewegte war uns zuerst nicht sehr wohl (Einschätzung Jörg im ersten Augenblick: Schulter Verletzung plus Krankenhaus Verona). Die Frau saß regungslos da und Axel brachte Ihr erst mal Ihre Brille zurück. Bald war  Sie dann spurlos verschwunden! Wir mutmaßten schon sie war ein Geist, allerdings ein ziemlich blinder.   Andreas stand kurz danach wieder auf. Er hatte außer ein paar harmlosen Abschürfungen wirklich keinerlei Verletzungen davongetragen, auch das Fahrrad war heil geblieben. Fortuna sei dank.
Auf der Heimfahrt besuchten wir auf der Suche nach dem richtigen Weg noch ein abgelegenes Kloster und machten später in einer Eisdiele halt. Mit 5 riesen Kugeln a 1,30 EUR (Stefan zum Preis "Ist nicht gerade nachgeschmissen") hat dabei Klaus die Führung übernommen.
3. Tag – von der Zentripedalkraft und anderen Phänomenen
Diesmal blieben wir wieder auf der Ostseite des Sees , der nächste Bergrücken nach dem Monte Baldo.
Die von Männi geplante Route führte uns auf einen steilen Schotterweg, den wir aber unseren edlen Rennern nicht zumuten wollten. So drehten wir wieder um und nahmen die direkte Route nach Erbezzo, ein recht einsames schön gepflegtes Bergdorf auf ca 1100m. Nach einem ausgiebigen Mittagesssen ging's eine lange Abfahrt hinab nach Stallavena. Dort verpassten wir den Abzweig wieder zurück in die Berge und steuerten schon auf das Flachland vor Verona zu.
So leicht wollten wir es uns aber nicht machen! Dank GPS Wegweisung kehrten wir wieder zurück auf den rechten Weg und es war in diesem Fall ein satter Anstieg zurück auf 1000m.
Bei der Abzweigung nach Negrar gab es wieder 2 Möglichkeiten, nach Männis Route und GPS gings weiter den Berg hoch, es zeigte aber auch ein Schild die Straße abwärts nach Negar. Dazu Jörg "Wir müssen ja nicht alles machen was der Männi vorschlägt, der sitzt jetzt 600km weit entfernt auf der Couch zu Hause" So entschieden wir uns für den direkten Weg und ließen eine weitere Steigung aus. In Negrar verloren wir kurz die übersicht auch das GPS war schon ausgestiegen, und so gings übers Italienische Tiefland, wie die meisten hofften, gemütlich zurück nach Affi.
Das mit dem gemütlich stellte sich schon bald als Wunschdenken heraus, da mit Didi vorne der Tacho wieder deutlich über 40km/h stand und bei wechselndem Wind der Windschatten auch nicht so das Wahre ist. Als die Geschwindigkeit auch bei einer leichten Steigung von 1-2% nicht zurückging schrie Jörg etwas ungehalten nach vorne "langsamer!" mit dem Ergebnis daß Didi ausscherte, Andreas und Stefan vorne fuhren und fast genauso bekloppt weiterrasten. Irgendwann ist ob der gnadenlosen Bolzerei der Weizemtepler Express dann auseinander gebrochen und wir kamen mit einigen Minuten Unterschied an die heißbegehrte Eisdiele in Affi. Diesmal waren 5 Kugeln die Regel, einige verdrückten 6 und mehr!
Andreas fragte Jörg am Abend ob ihm der Anstieg nach Stallavena etwas zugesetzt hätte, darauf Jörg: Ich hatte nur Probleme mit der Zentrifugalkraft. Gemeint war die aufrichtende Kraft, welche ein Rad in Drehung in diesem Zustand stabilisiert. Teilweise war seine Geschwindigkeit wohl schon grenzwertig um das Rad aufrecht zu halten. (Gemeint war hier übrigens die Drehimpulserhaltung; ja es gibt auch Physik bei den Weizentemplern!)
4. und letzter Tag - Penser Joch
Zum Ausklingen wollten wir am Nachhauseweg noch eine kleine Tour einlegen. Die kleine Tour entpuppte sich mit fast 1300 Höhenmetern ohne jegliche Verschnauf-Stücke als durchaus würdiger Abschluß.
Nachdem man die Waldgrenze passierte, eröffneten sich zur rechten riesige Enzianwiesen; wenn man noch einen Blick dafür hatte. Christian "Ich sah in dem Moment nur eine Bergstation unglaublich weit entfent und viel zu hoch, das kann unmöglich das Penser Joch sein, vielleicht ein anderes, auf über 3000m". War es aber nicht. Was er sah war das Penser Joch und wir erklommen es noch alle wenn auch mit beträchtlichen Zeit Abständen.
   
Nachwort
Die Region um den Gardasee ist um diese Zeit fest in deutscher Hand. Autos, Motorräder, Mountainbikes, Rennräder, geschätzte 80% davon kommen aus Deuschland. Zu keiner Zeit hatte man jedoch irgendwo den Eindruck, daß man wegen der "Belagerung" durch so viele "tedeschi" nicht willkommen sei. Nach Andreas Unfall kam sofort eine Frau aus der gegenüberliegenden Bar und bot uns Verbandsmaterial und Desinfektionsmittel an, ohne daß wir um Hilfe gerufen hatten. Würde es sowas bei uns für fremde Toristen auch geben - vielleicht.
Bericht: Ferdl